BFSG 2025: Was das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz für Websites bedeutet
Das BFSG verpflichtet Unternehmen zur digitalen Barrierefreiheit. So funktionieren die Anforderungen, Fristen, WCAG-Kriterien und konkrete Umsetzungsschritte.
Rechtliches & Info
So funktioniert ein systematischer Accessibility Audit: WCAG-Checkliste, Testing-Tools, Screenreader-Tests und Priorisierung von Barrierefreiheits-Maßnahmen.
Ein Accessibility Audit deckt systematisch Barrieren einer Website auf und liefert einen konkreten Maßnahmenplan. Ob gesetzliche Anforderungen durch das BFSG ab 2025 oder bessere Nutzererfahrung — barrierefreie Websites sind kein optionales Extra mehr. Dieser Leitfaden zeigt, wie ein umfassender Accessibility Audit durchgeführt wird: von automatisierten Tools über manuelle Tests bis zur strukturierten Auswertung.
Ein Accessibility Audit ist eine systematische Überprüfung einer Website auf Barrierefreiheit nach den Web Content Accessibility Guidelines (WCAG). Ziel ist es, Barrieren zu identifizieren, die Menschen mit Behinderungen den Zugang zu Inhalten oder Funktionen erschweren oder unmöglich machen.
Ein Accessibility Audit geht weit über eine reine Checklisten-Prüfung hinaus. Er kombiniert automatisierte Scans mit manuellen Tests und realen Nutzungsszenarien.
Die wichtigsten Gründe für einen Audit:
Wichtige Statistiken:
Automatisierte Tools bilden die Grundlage jedes Accessibility Audits. Sie scannen eine Website schnell auf bekannte Verstöße gegen WCAG-Richtlinien und liefern einen ersten Überblick.
Google Lighthouse ist in den Chrome DevTools integriert und prüft rund 40 Accessibility-Regeln. Über die DevTools (F12), Tab “Lighthouse” mit aktivierter Kategorie “Accessibility” wird ein Audit gestartet. Der Score von 0 bis 100 gibt eine erste Einschätzung.
Stärken: Kostenlos, schnell, direkt im Browser verfügbar. Grenzen: Erkennt nur grundlegende Fehler wie fehlende Alt-Texte oder mangelnden Kontrast.
axe von Deque Systems ist der De-facto-Standard für automatisiertes Accessibility-Testing. Es prüft über 80 Regeln und liefert detaillierte Fehlerbeschreibungen mit konkreten Lösungsvorschlägen.
# axe CLI global installieren
npm install -g @axe-core/cli
# Einzelne Seite testen
axe https://beispiel.de
# Mehrere Seiten testen
axe https://beispiel.de https://beispiel.de/kontakt/
# Ergebnisse als JSON speichern
axe https://beispiel.de --save results.json
WAVE von WebAIM visualisiert Barrierefreiheitsprobleme direkt auf der Seite. Fehler, Warnungen und strukturelle Elemente werden farblich markiert. Besonders hilfreich ist die Kontrastanalyse und die Darstellung der Dokumentstruktur.
Pa11y eignet sich hervorragend für die Integration in CI/CD-Pipelines und automatisierte Workflows:
# Pa11y installieren
npm install -g pa11y
# Einzelne Seite testen (WCAG 2.1 AA)
pa11y https://beispiel.de --standard WCAG2AA
# HTML-Bericht erstellen
pa11y https://beispiel.de --reporter html > report.html
Automatisierte Tests als Ausgangspunkt — Automatisierte Tools sind unverzichtbar, decken aber nur etwa 30 % aller Barrierefreiheitsprobleme auf. Fehler im Kontext, unlogische Tab-Reihenfolgen oder unzureichende Screenreader-Beschreibungen erkennen sie nicht.
Manuelle Tests decken die Probleme auf, die automatisierte Tools nicht erkennen.
Die gesamte Website wird ausschließlich mit der Tastatur navigiert. Zu prüfen ist:
Getestet wird mit mindestens einem Screenreader. Die drei wichtigsten sind:
Geprüft wird: Werden Bilder korrekt beschrieben? Sind Formularfelder verständlich gelabelt? Wird der Seitenzustand bei dynamischen Änderungen kommuniziert? Sind ARIA-Live-Regions korrekt eingesetzt?
Die Website wird auf 200 % und 400 % im Browser vergrößert. Laut WCAG 1.4.4 müssen Inhalte bei 200 % Zoom ohne Informationsverlust nutzbar bleiben. Bei 400 % (WCAG 1.4.10) darf kein horizontales Scrollen für einspaltigen Text erforderlich sein.
Geprüft werden die Kontrastverhältnisse aller Text-Hintergrund-Kombinationen:
Sichergestellt wird, dass Animationen respektvoll eingesetzt werden:
prefers-reduced-motion deaktivieren?| Tool | Typ | Abdeckung | Kosten |
|---|---|---|---|
| Lighthouse | Automatisch | ~40 Regeln, Basis-Checks | Kostenlos |
| axe DevTools | Automatisch | ~80 Regeln, detaillierte Reports | Kostenlos / Pro |
| WAVE | Automatisch | Visuelle Analyse, Kontrastprüfung | Kostenlos |
| Pa11y CLI | Automatisch | CI/CD-Integration, WCAG-Standards | Kostenlos |
| Tastatur-Test | Manuell | Fokus, Navigation, Interaktion | Zeitaufwand |
| Screenreader | Manuell | Semantik, ARIA, Kontext | Zeitaufwand |
| Zoom-Test | Manuell | Responsive, Reflow, Lesbarkeit | Zeitaufwand |
| Kontrastprüfung | Manuell/Tool | Farbverhältnisse, Lesbarkeit | Kostenlos |
Die WCAG 2.1 organisiert Barrierefreiheitsanforderungen in vier Prinzipien.
alt="")lang="de")lang-Attribut gekennzeichnetautocomplete)Die 30-%-Regel — Automatisierte Tools erkennen nur etwa 30 % aller WCAG-Verstöße. Die übrigen 70 % erfordern manuelles Testing, Screenreader-Prüfungen und kontextbezogene Bewertungen.
Nach dem Audit liegt eine Liste von Problemen vor. Priorisiert wird nach Schweregrad.
Probleme, die den Zugang zu wesentlichen Inhalten oder Funktionen komplett verhindern:
Maßnahme: Sofort beheben.
Maßnahme: Innerhalb von zwei Wochen beheben.
Maßnahme: Im nächsten Sprint oder Release einplanen.
autocomplete-Attribute bei FormularfeldernMaßnahme: In den fortlaufenden Verbesserungsprozess aufnehmen.
Ein strukturierter Audit-Bericht enthält:
Ein einmaliger Audit reicht nicht aus. Barrierefreiheit muss kontinuierlich sichergestellt werden.
Ein Web Accessibility Audit ist der erste Schritt zu einer wirklich barrierefreien Website. Die Kombination aus automatisierten Tools und manuellen Tests liefert ein vollständiges Bild. Ergebnisse priorisieren, einen strukturierten Maßnahmenplan erstellen und Accessibility-Testing dauerhaft in den Entwicklungsprozess integrieren.
Ein vollständiger Audit sollte mindestens einmal jährlich durchgeführt werden. Zusätzlich empfehlen sich automatisierte Scans bei jedem Deployment und manuelle Spot-Checks bei größeren Änderungen an Design oder Funktionalität.
Nein. Automatisierte Tools erkennen nur etwa 30 % aller Barrierefreiheitsprobleme. Sie finden fehlende Alt-Texte, unzureichende Kontraste und invalides HTML, aber keine kontextbezogenen Fehler.
Für die meisten Websites ist WCAG 2.1 Level AA der richtige Standard. Er wird vom BFSG als Mindestanforderung referenziert und deckt die wesentlichen Barrierefreiheitsanforderungen ab.
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